Die Heiligenhauser Feuerwehr seit 1890

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118 Jahre Dienst am Nächsten

Die Gründer der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus:

Gottfried Haupts
Gerhard Brüssel
Josef Ley
Joseph Haupts
Bertram Ley
Joseph Jackes
Joseph Becker
Anton Hofstadt
Wilhelm Bosbach
Wilhelm Homboch

Die Gruppenführer von 1890 bis heute:

1890
Johann Müller †
1891 - 1895
Christian Dresbach †
1896 - 1911
Gottfried Haupts †
1912 - 1933
Theodor Becker †
1934 - 1960
Josef Lukas sen. †
1961 - 1969
Josef Franken †
1970 - 1983
Josef Lukas jun. †
1984 - 1999
Adolf Schmidt,
Dieter Wasser (Stellvertreter)
2000 - 2006
Dieter Wasser,
Markus Fischer (Stellvertreter)
2006 - 2008
Markus Fischer,
Dieter Wasser (Stellvertreter)
seit Januar 2008
Markus Fischer,
Frank Schmidt (Stellvertreter)

In unserer Gegend entstanden die ersten Feuerwehren in der Mitte der 80er Jahre (Bensberg 1883, Much 1885, Hoffnungsthal 1886). Im Jahre 1890 schloss sich eine Gruppe von Männern zusammen, um eine Feuerwehr zu gründen, mit dem Ziel, Mitbürgern in Not und Gefahr zu helfen. Der Brandschutz wurde bis dahin im Zuge nachbarschaftlicher Hilfe mit größtenteils unzulänglichem Geräten durchgeführt. Auch im Bereich der damaligen Gemeinde Overath waren Männer, meistens Bauhandwerker, verpflichtet worden, die sich in Brandfällen als Löschmannschaften zu betätigen hatten. An verschiedenen Standorten (Kreuzhäuschen, Heiligenhaus und Mittelbech) wurden in der Gemeinde primitive Feuerspritzen stationiert, die in Einsätzfällen von diesen Löschmannschaften bedient werden sollten. In den meisten Fällen wurde das Löschwasser mit sogenannten Eimerketten, von Hand zu Hand zum Brandherd gebracht.

In Heiligenhaus wurden zu dieser Zeit die ersten Gespräche des Gründungskomitees geführt und es ist erwähnenswert, dass sich besonders ein Heiligenhauser Bürger, der spätere Brandmeister Gottfried Haupts, mit allen Kräften für die Gründung einer Feuerwehr in Heiligenhaus einsetzte. Er beschaffte sich die Statuten der umliegenden Feuerwehren, aus denen die noch heute gültigen Statuten unserer Wehr, die heute noch im Originaltext vorhanden sind, hervorgingen. Nachdem auch die Gemeinde Overath ihre Zustimmung erklärt hatte konnte die Gründung erfolgen.

Am 14. Dezember 1890 um 18.00 Uhr fand in der Gaststätte Bosbach die erste Versammlung statt. Seitens der Gemeinde Overath war erschienen der damalige Bürgermeister Növer, den Vorsitz führte der vom Gründungskomitee beauftragte Herr Gottfried Haupts. 39 Männer hatten sich zur Mitarbeit bereiterklärt und wählten aus ihren Reihen als Brandmeister Herrn Johann Müller aus Stich, als seinen Stellvertreter Herrn Gottfried Haupts.
Die Freiwillige Feuerwehr für die Gemeinde Overath in Heiligenhaus war nunmehr als erste Feuerwehr in der Gemeinde gegründet und offiziell anerkannt.


Heiligenhaus, den 15. Oktober 1890 Hierselbst traten heute die Unterzeichnenden zusammen und beschlossen, für die Bürgermeisterei Overath eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen mit dem Sitz in Heiligenhaus und beraumten zu diesem Zweck ein Versammlung an auf Sonntag, den 19. Oktober 1890 nachmittags 17:00 Uhr bei Wilhelm Bosbach hierselbst.
Tagesordnung der Versammlung: Beratung und Festsetzung der Statuten. Bitten Euer Wohlgeboren hierzu gütigs um Erlaubnis. Zugleich werden Euer Wohlgeboren zu dieser Versammlung gütigst eingeladen
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Gottfried Haupts Gerhard Brüssel Joseph Becker
Josef Ley Josef Haupts Wilhelm Bosbach
Bertarm Ley Joseph Jackes Wilhelm Homboch
Anton Hofstadt

Die Feuerwehr gliederte sich in drei Abteilungen:

1. Die Spritzabteilung, die für die Bedienung der Spritze und die Verlegung der notwendigen Schläuche verantwortlich war.
2. Die Steigerabteilung, der die Rettung von Mensch und Tier, und die Bergung von Sachwerten oblag. Diese Abteilung wurde besonders an Leitern ausgebildet und führte die eigentlichen Löschmaßnahmen durch.
3. Die Ordnungsabteilung, die an der Brandstelle die erforderlichen Absperrungen durchführte und zur
Sicherung von geborgenen Sachwerten eingesetzt wurde.

Diese drei Abteilungen wurden bei der Gründung der hiesigen Feuerwehr sofort gebildet und die einzelnen Abteilungsführer gewählt. Mit den ersten grundlegenden Übungen wurde sofort begonnen. Als erstes Erkennungszeichen trugen die Wehrleute damals ein Abzeichen, welches die Gemeinde zur Verfügung stellte und von einem Feuerlösch-Inspektor der Rhein Provinz empfohlen worden war.
Das Kommando bei Übungen und Einsätzen und den Vorsitz der Versammlungen führte der Brandmeister, der damals Hauptmann genannt wurde. Bei Abwesenheit des Hauptmannes regelte sein gewählter Stellvertreter die Dienstgeschäfte.
Bereits am 31. Dezember 1890 trat der erste Hauptmann Johann Müller zurück und eine am 4. Januar 1891 einberufene Versammlung wählte als neuen Hautmann Herrn Christian Dresbach zu Großdurbusch. Sein Stellvertreter blieb weiter Herr Gottfried Haupts. Nachdem die Feuerwehrleute aus eigenen Spenden die notwendigsten Ausrüstungen beschafft hatten und die Gemeinde die Feuerwehr mit den erforderlichen Uniformstücken bedacht hatte, wurde im Jahre 1891 der große Wunsch erfüllt:
Aus Mitteln der Gemeinde, vom Zuschuss der Rheinischen Feuer-Sozietät, von Spenden einiger hochgestellter Persönlichkeiten und eigenen, von den Kameraden aufgebrachten Mitteln, wurde zum Preis von 1000,- Goldmark eine neue Saug- und Druckspritze mit allem Zubehör angeschafft. Die neue Spritze war wahlweise auf Hand- oder Pferdezug umzubauen.
Durch die Ausrüstung der Wehr mit diesem damals modernen Löschgerät, wurde die Schlagkraft der Wehr wesentlich verbessert und die Wehrmitglieder in ihrem Hilfswillen bestärkt. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass diese Saug- und Druckspritze noch bis zum Jahre 1948, das einzige Löschgerät der Heiligenhauser Feuerwehr blieb. Diese Spritze ist auch heute noch, trotz starker Beanspruchung, in allen Jahren, voll funktionsfähig.

Spritze bei Jubiläum des MGV Heiligenhaus im Sommer 2002 (Fotos: Luhr Foto Design)

Häufig kam es vor, dass infolge der schlechten Wasserverhältnisse, auf den umliegenden Gehöften von Heiligenhaus, ein Brand mit Fäkalien gelöscht werden musste. Die Löschwasserstelle war dann der Jauchekeller eines Hauses. Es dürfte einleuchten, dass die Löschmannschaften in solchen Fällen nicht zu beneiden waren.
Bald nach der Gründung der Feuerwehr kamen auch die ersten Löscheinsätze. Im Falle eines Brandes wurden die Feuerwehrleute durch Hornsignal alarmiert oder ähnlich dem heutigen sogenannten Schneeball-System durch festgesetztes Alarmierungreglement, bei dem ein Feuerwehrmann zwei weitere Kameraden benachrichtigte, zur Brandstelle gerufen.
Bereits im Jahre 1891 wurde auf einer Versammlung überlegt, ob die Freiwillige Feuerwehr Heiligenhaus der kürzlich gegründeten Feuerwehr-Unfallkasse beitreten solle. Weil die Feuerwehrmänner nicht gewillt waren die Beiträge ganz aus eigener Tasche zu bezahlen, wurde dieser Gedanke nicht weiter verfolgt.
Das erste Feuerwehrfest in Heiligenhaus, wurde als Stiftungsfest am Sonntag, den 10. Juni 1894 im Saal der Gaststätte Bosbach gefeiert. Die Feuerwehr beantragte beim Bürgermeister die damals üblichen Armengelder die anlässlich solcher Lustbarkeiten erhoben wurden, zu erlassen. Im Antrag heißt es u.A.:

"Euer Wohlgeboren werden hierdurch ersucht uns zu diesem Feste die Armengelder nachzulassen, wie Ihnen auch gar bekannt, haben wir weiter nichts in der Kasse als was wir an monatlichen Beiträgen eingezogen haben und dieses reicht noch lange nicht für uns aus das nöt..."

"Wohlgeboren" bleibt auch der Feuerwehr gegenüber hart und beauftragt den damaligen Gemeindepolizist Heinrich Linder, die Armengelder einzutreiben. Bereits am 02. Juni 1894 schreibt Linder unter den Antrag: " Die Armenabgaben sind mit 30 Mark bezahlt worden. Linder Polizeidr."
Am 02. Juli 1893 war auch in Overath eine Freiwillige Feuerwehr gegründet worden. Der Hauptmann Dresbach von Heiligenhaus lädt diese noch junge Feuerwehr und auch den Bürgermeister zu einer Übung ein, die am Sonntag, den 17. September 1894 um "Punkt 17:00 Uhr" in Heiligenhaus stattfindet.
Über den Verlauf der Übung wird in der Chronik nicht berichtet, wohl aber wird erwähnt, dass die Mitglieder beider Feuerwehren anschließend im Heiligenhauser Vereinslokal die "Geselligkeit" pflegten.
Am 29. April 1895 trat dann der bisherige Brandmeister Christian Dresbach von seinem Posten zurück. Als neuer Hauptmann wurde der bisherige Stellvertreter Gottfried Haupts gewählt. Unter der Leitung dieses Mannes, der es immer verstand seinen Kameraden als echter Feuerwehrmann ein Vorbild zu sein, wurden die Geräte und Ausrüstungen vervollständigt, die Zahl der Feuerwehrmitglieder zeitweise bis auf 43 Mann erhöht und vierzehntäglich eine Übung abgehalten. In Overath war inzwischen ebenfalls eine Feuerwehr gegründet worden, so dass der Löschbezirk der hiesigen Wehr, welcher sich ursprünglich über das ganze Gemeindegebiet erstreckte wesentlich kleiner wurde. Die Chronik berichtet in dieser Zeit von einem Brand auf Gut Burghof bei Overath am 26. Juli 1895 bei dem beide Feuerwehren, von Overath und Heiligenhaus, erfolgreich eingesetzt wurden. In einem Schreiben vom 20. August 1895 an den Bürgermeister Növer in Overath bedankt sich der Besitzer des anderen Gutes, Graf Heinrich von Schaesberg, für die erfolgreiche Hilfe der beiden Feuerwehren und übermittelt ihnen eine Gratifikation von 100,- Goldmark.

Mit einem Schreiben vom 13. August 1895 an den Bürgermeister, bittet Hauptmann Haupts um die Genehmigung von 4 Feuermeldestellen. Diese Meldestellen waren vorgesehen bei der Wirtschaft Bosbach in Heiligenhaus, bei Gottfried Haupts in Heiligenhaus, bei Christian Dresbach in Durbusch (?) und Peter Trompetter in Linde. Als Kennzeichnung wurde ein weißes Schild mit der roten Aufschrift Feuermeldestelle vorgeschlagen. Ferner sollte jede Meldestelle mit einem Alarmhorn ausgerüstet werden. Ein solches Alarmhorn ist heute noch im Besitz der Löschgruppe Heiligenhaus. Zu dieser Zeit wurde auch das Feuerwehr-Siegel angeschafft und am 05. Juni 1898 erstmals offiziell verwendet. Dieses Siegel wird auch heute noch bei besonderen Anlässen gerne benutzt. Die Zahl der Brände und Hilfeleistungen können im einzelnen nicht aufgeführt werden. Es dürfte genügen wenn wir berichten, dass in der Zeit von der Gründung bis zum Jahre 1910 rund 65 Löscheinsätze bei Groß- und Mittelfeuer zu verzeichnen waren. Dieser Tatbestand ist nicht verwunderlich wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit noch fast alle Baulichkeiten in der hiesigen Gegend in Holz oder Fachwerk Bauweise errichtet waren. Zudem fehlte es an ausreichenden baupolizeilichen Vorschriften, die im Gegensatz zur heutigen Zeit, eine Brandverhütung mit eingeschlossen. Leider waren aber nicht nur bauliche Fehler und leichtfertiges Hantieren mit Feuer die einzigen Gründe für die zahlreichen Brände. Eine nicht unerhebliche Rolle spielten auch damals schon die Brandstiftungen. Die Chronik berichtet von Scheunenbränden in den Jahren 1910 und 1911 denen zahlreiche Scheunen in Groß-Dresbach, Neuenhausen und Frielinghausen zum Opfer fielen. Diese Serie von Bränden hatte merkwürdige Regelerscheinungen. Fast alle Brände brachen an Samstagabenden aus und alle in einem Gebiet von ca. 1 qkm. Es war soweit, dass sich die Feuerwehrleute damals routinemäßig an Samstagabenden auf den kommenden Alarm vorbereiteten und selten nur taten sie das vergeblich. Untersuchungen und Beobachtungen wurden angestellt und sogar eine Verhaftung wurde vorgenommen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen oder den Brandstifter zu überführen. Diese Anstrengungen hatten aber der Erfolg, dass die Häufigkeit der Brände wieder auf ein damals normales Maß zurückging.
Die Gemeinde Overath stellet der Heiligenhauser Feuerwehr im Jahre 1910 einen Schlauchwagen zur Verfügung, der als Anhänger an die Saug- und Druckspritze angehängt wurde. Diese Gerät erleichterte den Transport des Schlauchmaterials und leistet beim Verlegen langer Schlauchleitungen gute Dienste.
Im Jahre 1911 trat Brandmeister Gottfried Haupts von seinem Posten zurück und hinterließ seinem Nachfolger eine gut ausgerüstete und gut ausgebildete Feuerwehr. Als Nachfolger von Herrn Haupts wählte die Versammlung seinen Stellvertreter Herrn Theodor Becker von Heiligenhaus zum neuen Brandmeister. Der Diensteifer dieses Mannes und die Selbstlosigkeit mit der auch er sich für die Belange der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus einsetzte sollen hier lobend erwähnt werden.
Unser ehem. Wehrkamerad, Peter Schmidt vom Wiedenhof, erinnerte sich gut an einen Ausspruch des Brandmeister Becker mit dem sein Idealismus geschildert wurde. Wurde er gefragt, warum er sich für kirchliche und weltliche Gemeinschaften in so vorbildlicher Weise einsetze, dann sagte er in bergischer Mundart: " Dat deet m`r de Saach zoleev" (das macht man aus Liebe zur Sache).

Zwei Jahre nach Übernahme der Wehr durch Brandmeister Becker, brach der erste Weltkrieg aus. 22 Feuerwehrkameraden mussten in den Krieg, drei von ihnen, Johann Selbach, Philip Roth und Wilhelm Graf mussten auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen. Nur 9 Kameraden der Heiligenhauser Wehr konnten in der Heimat bleiben.

Infolge der Kriegswirren war bis 1919 das aktive Vereinsleben fast vollständig lahmgelegt. In einem Schreiben vom 24. Juni 1919 bittet der damalige Bürgermeister Simon in Overath die Feuerwehren neu zu organisieren und wieder Übungen abzuhalten. In Heiligenhaus hatte man bereits am 02. Februar 1919 zu einer ersten Nachkriegsversammlung eingeladen. Die Versammlung wurde vom Ortskommandanten der englischen Besatzungsmacht genehmigt und seit dieser Zeit wurde wieder regelmäßig geübt. Leider gingen zu dieser Zeit die ernsten Einsätze nicht so reibungslos vonstatten. Besonders Abend- und Nachtalarme waren infolge der Ausgangssperren mit Schwierigkeiten verbunden. So schildert die Chronik in einem Schreiben an den Bürgermeister einen Fall, wo die in den Abendstunden von einem Brandeinsatz zurückkehrenden Feuerwehrkameraden, von einer Militärstreife festgenommen wurden und endlich nach zweistündigen Rückfragen, nach Hause entlassen wurden.

Die zwanziger Jahre wurden für die Freiwillige Feuerwehr Heiligenhaus eine schöne Zeit. Ausbildungsmäßig hatte man bald einen hohen Stand erreicht und wenn am Sonntagmorgen früh um 6:00 Uhr eine Übung angesetzt war, dann gab es kaum Wehrkameraden die nicht erschienen.
Um die Mitte der zwanziger Jahre wurde nach einer Anregung des Feuerwehrkameraden Josef Wester ein Tambourkorps innerhalb der Feuerwehr gebildet, das aus 16 Feuerwehrleuten bestand. Dieses Tambourkorps, das vom Kameraden Wester ausgebildet und geleitet wurde, hat auf vielen Verbandsfesten des damaligen Feuerwehrverbandes sein Können bestens unter Beweis gestellt. Im übrigen war die Feuerwehr von Heiligenhaus, einheitlich uniformiert und wie damals üblich, exerziermäßig gut ausgebildet, bei diesen Veranstaltungen ein gern gesehener Gast.
Im Jahre 1929 feierte die Freiwillige Feuerwehr Heiligenhaus ihr 40-jähriges Bestehen mit einem damals üblichen Vorbeimarsch und einer geselligen Veranstaltung.

Anfang der dreißiger Jahre wurde aus eigenen Mitteln der Feuerwehr eine Alarmsierene angeschafft und 1933 auf dem Hause des Brandmeister Becker installiert. Das bisherige Alarmierungssystem durch Signalhörner war damit Geschichte geworden.
Nach 23.-jähriger Tätigkeit trat dann Theodor Becker wegen Erreichens der Altersgrenze, in die Altersabteilung der Feuerwehr über und wurde zum Ehrenbrandmeister ernannt.
Als neuen Brandmeister wählte man 1934 den langjährigen Stellvertreter von Brandmeister Becker, Josef Lukas sen.. Stellvertreter wurde Löschmeister Peter Franken. Brandmeister Josef Lukas lenkte die Geschicke der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus durch eine sehr turbulente Zeit. Mit seiner kameradschaftlichen und bescheidenen Art verstand er es seine Kameraden auch in den nun folgenden schweren Zeiten zusammenzuhalten.
Mit der Machtübernahme des nationalsozialistischen Regimes und der damit verbundenen Verabschiedung des Preußischen Gesetzes über das Feuerlöschwesen, vom 15. Dezember 1933, begann systematisch die Abschaffung der bisherigen Selbstorganisation der Freiwilligen Feuerwehren. Die einzelnen Feuerwehren der Gemeinde wurden als Löschzüge und Löschgruppen unter einer Oberleitung zusammengefasst. Ein weiteres Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 machte aus der Feuerwehr eine Löschpolizei. Schnitt und Rangabzeichen der neuen Uniformen waren denen der Polizei angepasst. Schaftstiefel und Faschinenmesser (sprich Seitengewehr) gehörten zur vorgeschriebenen Uniform. Anstelle der bisher bei der Feuerwehr üblichen Lederhelme, wurde dann 1939 der Stahlhelm als Feuerwehrhelm eingeführt. Die Ausbildung wurde auf häufigeren Exerzierdienst, Kilometermärsche und besondere Ausbildung im Rahmen des Luftschutzes, erweitert. Sehr oft wurden nun die Feuerwehren, neben anderen Organisationen, zu politischen Demonstrationen und Aufmärschen zweckentfremdet eingesetzt.
Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges mussten viele der Feuerwehrkameraden den grauen Rock anziehen. Die Löscheinsätze in dieser Zeit mussten mit der halben Mannschaftsstärke durchgeführt werden. Häufig gab es Einsätze durch Abwurf von Brandbomben und chemischen Zündstoffen durch Flugzeuge der Alliierten. Einige größere Waldbrände sind in diesem Zusammenhang entstanden
.

CHRONIK-HISTÖRCHEN

Der Probealarm

Am Abend des 11. Juni 1935 kam der damalige Bürgermeister Bennauer in das Haus der Familie Schmitz, jetzt Bensberger Straße 41, wünschte einen guten Abend und fragte die überraschte Frau Schmitz: "Frau Schmitz was würden Sie tun, wenn in Ihrem Hause ein Brand ausgebrochen w äre?" Prompt kam die Antwort: "Dann würde ich die Feuerwehr rufen." Darauf der Bürgermeister: "Dann tun Sie das bitte, wir machen nämlich einen Probealarm." Mit den Worten: "Wenn Sie das sagen, dann tue ich das," eilte die resolute Frau zum Hause des ehemaligen Brandmeisters Becker und macht Feuermeldung. Der Sirenenalarm wurde ausgelöst und nur die Frau Schmitz wusste warum.
Der junge Feuerwehrmann Peter H. wohnet mit seiner Frau im Obergeschoss eines Fachwerkhauses mitten im Ort, wo jetzt die Bäckerei Persè-Delling ist. Nach den ersten Sirenentönen um 21:43 Uhr fliegt hier aus einem Fenster zur Straße hin, ein Bündel mit Feuerwehrjoppe, Steigergurt und Helm in den kleinen Vorgarten. Der dazugehörende Feuerwehrmann Peter H. folgt augenblicklich und landet wohlbehalten in einem blühenden Hortensienstrauch.
Er schnappt sich sein Uniformbündel und rennt los in Richtung Spritzenhaus, dass hinter der alten Schule auf dem jetzigen Dorfplatz stand.
Bürgermeister Bennauer, der damalige Gemeindebrandmeister Johann Vogel und zwei weitere Führungsdienstgrade der Overather Feuerwehr, haben sich inzwischen auf den Schulhof begeben um die Dauer der Ausrückzeit festzustellen. Peter H. rennt und versucht in vollem Lauf seine Uniformjacke anzuziehen, mit zwei Sätzen nimmt er die Treppe zum Schulhof. Kurz vor dem Spritzenhaus, er versucht gerade in den linken Ärmel seiner Uniformjacke zu kommen, prallt er mit voller Wucht gegen den Bürgermeister. Peter H. schaut auf, sieht den ihm unbekannten Zivilisten und faucht: "Wat stoht ühr he em Wääch eröm ühr seht doch dat et am brenne es!" (Warum stehen Sie hier im Weg? Sie sehen doch, dass es irgendwo brennt.)


Im Oktober des Jahres 1944 wurde das Spritzenhaus von den in Heiligenhaus einquartierten Militäreinheiten beschlagnahmt und als Waffen- und Kleiderkammer genutzt, Löschgeräte, Schläuche und Uniformen mussten bei den Feuerwehrleuten privat untergebracht werden. Die Feuerwehrspritze wurde in einem Schuppen von Josef Wester, an der Hohkeppler Strasse, untergestellt. Ab Juli des Jahres 1945, konnte das Spritzenhaus wieder von der Feuerwehr benutzt werden.
Nach Ende des zweiten Weltkrieges fanden sich fast alle Wehrkameraden wieder zusammen, um ihre helfende Tätigkeit auch in den nun ruhigen Zeiten fortzusetzen. Zwei Feuerwehrkameraden der hiesigen Löschgruppe, Johann Prumbaum und Hubert Prumbaum, kehrten aus dem Krieg nicht zurück.
Erfreulicherweise meldete sich bereits im Sommer 1947 der erste junge Nachwuchs für die Feuerwehr in Heiligenhaus. Passende Uniformstücke für diese jungen Leute waren nicht mehr vorhanden. Die Gemeinde stellte endlich den Feuerwehren ausgediente und schwarz eingefärbte Uniformhosen und Blousons der britischen Besatzungsmacht zur Verfügung. Als Kopfbedeckung wurden "Schiffchen" aus dunkelblauem Tuch, die teilweise selbst geschneidert wurden, getragen.
Als ersten offiziellen Dienst für die jungen Feuerwehrmänner, war die Bewachung der Gaststätte Tix, anlässlich des Geldumtausches bei der Währungsreform am 20. Juni 1948. Dieser nicht alltägliche Einsatz verlief reibungslos, weil die unbewaffneten Feuerwehrmänner keinen Räuber abzuwehren brauchten.
Die Gemeinde Overath stellte im Jahre 1954 der Löschgruppe die erste Motorspritze, eine TS 8, zur Verfügung. Die alte Handdruckspritze hatte ausgedient. In den ersten Nachkriegsjahren kam es verschiedentlich zu größeren Bränden. In Wüsterhöhe, Linde und Kleinschwamborn brannte je eine Scheune ab. Die in mittelbarer Nähe stehenden Wohn- und Stallgebäude konnten vor einem übergreifen des Feuers bewahrt werden.
Im Jahre 1960 trat dann Brandmeister Josef Lukas sen., nach 39-jähriger aktiver Dienstzeit und 26-jähriger Tätigkeit als Brandmeister, in die Altersabteilung der Feuerwehr über. Seine Kameraden von der Löschgruppe Heiligenhaus ernannten ihn zum Ehrenbrandmeister.

Als neuen Leiter der Feuerwehr in Heiligenhaus wählte die Löschgruppe den Kameraden Josef Franken. Brandmeister Josef Franken hatte im Jahre 1959 die Landesfeuerwehrschule in Warendorf besucht und hier seine Brandmeisterprüfung bestanden. Bei der Löschgruppe Heiligenhaus setzte nunmehr unter neuer Leitung eine intensivere Übungstätigkeiten ein, welche darauf abzielte, das von der Gemeinde zugesagte Löschfahrzeug bei seiner Zuteilung sofort beherrschen zu können. Aber erst im Jahre 1964, in dem auch das 75-jährige Bestehen der Feuerwehr in Heiligenhaus gefeiert wurde, konnte die Löschgruppe Heiligenhaus ihr erstes Löschfahrzeug übernehmen. Dieses Fahrzeug, ein Tanklöschfahrzeug -TLF8-, wurde im Zuge der Aufstellung sogenannter Luftschutz-Feuerbereitschaften, von der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt und in Heiligenhaus stationiert.
Die Zeiten in denen die Löschgeräte von Hand, mit Pferden oder mit dem Ackerschlepper des Feuerwehrkameraden bewegt werden mussten, waren nun vorbei.

CHRONIK-HISTÖRCHEN

Der letzte Einsatz der Handdruckspritze

Nasskaltes Novemberwetter am Vorabend des Buß- und Bettages 1953. Einer unserer Feuerwehrkameraden kommt von der Spätschicht nach Hause und will sich zur wohlverdienten Nachtruhe begeben. Als er das Fenster seines Schlafzimmers schließen will, gewahrt er in Richtung Kleinschwamborn hellen Feuerschein. Er schaut auf die Uhr: 23:32 Uhr. Hinein in die Klamotten und raus aus dem Haus. Der Feuerwehrkamerad von nebenan wir aus dem Schlaf getrommelt. Die Feuermeldestelle wird verständigt und gleich darauf heult die Sirene in die Nacht. Die beiden Feuerwehrleute haben im Spritzenhaus ihre Einsatzanzüge angezogen, der Hakengurt wird angeschnallt und der Feuerwehrhelm übergestülpt. Ein weiterer Feuerwehrkamerad ist inzwischen eingetroffen und zu dritt geht es mit der Feuerspritze in Richtung Feuerschein. Auf der Durbuscher Strasse kommen weitere drei Feuerwehrmänner dazu. Im Laufschritt geht es nun nach Kleinschwamborn. Hier brennt eine Scheune in unmittelbarer Nähe von Wohnhaus und Stallungen eines bäuerlichen Anwesens.
Anwohner des Ortes versuchen ein Übergreifen des Feuers auf die Stallungen zu verhindern, indem sie mit Eimern Wasser auf das Dach und gegen die Wände des meist gefährdeten Gebäudes schütten. Die Scheune brennt in vollem Ausmaß und alle Maßnahmen richten sich auf den Schutz der benachbarten Gebäude. Die Ortschaft hat eine eigene Wasserversorgung ohne brauchbare Entnahmestellen und kann das erforderliche Löschwasser nicht in ausreichender Menge liefern. Ein Feuerlöschteich ist nicht vorhanden und Tanklöschfahrzeuge gibt es nur in den größeren Städten. Der Ausweg: Ein Jauchekeller. Schnell wird die Saugleitung "zu Jauche" gebracht, der Druckschlauch wird ausgerollt und das Strahlrohr angekuppelt. Nach wenigen Pumpenschlägen schießt zischend die "Löschjauche" auf das heiße Stalldach und kühlt die aufgeheizten Wände der Stallungen. Die Hitzestrahlung des Feuers ist so stark, dass der Mann am Strahlrohr nach wenigen Minuten abgelöst werden muss. Eine alte Tür wird zwischen Brandherd und Spritzenmann gestellt um die Strahlung abzuhalten. Die Tür muss laufend mit Wasser gekühlt werden.
Die Pumpenmannschaft, an jedem Hebelarm 4 Mann, Feuerwehrmänner und Anwohner bunt gemischt, arbeiten unermüdlich. Zack-Zack, Zack-Zack, so schlägt der Balancier des Pumpwerkes in schnellem Takt auf die Anschlagbolzen. Nach einer guten halben Stunde endlich "Wasser halt"! Der Brand ist in sich zusammengefallen und die Hitzestrahlung hat nachgelassen. Mit dem Einreißhaken werden Balken uns Sparren aus der Glut gezogen und dann ganz abgelöscht. Der Besitzer des Stallgebäudes spendiert ein paar Schnäpse und später gibt es Häppchen und heißen Kaffee.
Es ist gegen 1:30 Uhr als der größte Teil der Feuerwehrmänner nach Hause gehen kann. Fünf Mann bleiben als Brandwache zurück. Die Spritze bleibt in Stellung denn, wenn der zur Zeit schwache Wind auffrischt, kann der Funkenflug die angrenzenden Gebäude gefährden. Die Feuerwehrleute betätigen sich bei Aufräumungsarbeiten oder suchen jetzt die Nähe der Glut, weil die Nachtkühle durch die feuchten Kleider dringt. Jetzt allmählich merkt man, dass man intensiv nach Jauche duftet. Nach Beendigung des Einsatzes, morgens gegen 8:00 Uhr, werden die Spritze und die Schläuche am Hydranten in der Gärtnerstrasse gereinigt. Als die Kirchenbesucher vom morgendlichen Gottesdienst nach Hause gehen, kehren auch der Rest der Feuerwehr und die Spritze in das Spritzenhaus zurück. Einige Monate später erst, als die Heiligenhauser Feuerwehr ihre erste Motorspritze bekommt, kann man wissen, dass das der Letzte Einsatz der Handdruckspritze war. Nach 61 Dienstjahren geht dieses Requisit in den Ruhestand.

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass der Rest der Feuerwehr noch auf ein Bier im Vereinslokal Bosbach einkehrte. Das Bier kam prompt und mit ihm die Bitte des Vereinswirtes: "Jonge, dat Bier brucht ihr net zo bezahle, eever drenkt et flöck us on johd heem. Ühr stenkt wie en Adelsfaaß". (Jungens das Bier braucht ihr nicht zu bezahlen, aber trinkt schnell aus und geht nach Hause. Ihr stinkt wie ein Jauchefass)


Bereits im Juli 1964 konnte in einer großartigen Übung anlässlich des Feuerwehrjubiläums gezeigt werden, dass man das Fahrzeug und die verladenen Geräte voll und ganz beherrschte. Größere Einsätze bei Bränden und Hilfeleistungen konnten nunmehr schneller und schlagkräftiger bewältigt werden. Darüber hinaus wurde die mobile Feuerwehr Heiligenhaus nun des öfteren zu Nachbarschaftshilfe von anderen Gruppen und Zügen der Gemeinde Overath angefordert. Insbesondere bei Waldbränden war der wendige und voll geländegängige "Unimog" das ideale Löschfahrzeug, das auch in schwierigstem Gelände das mitgeführte Löschwasser bis an den Brandherd bringen konnte.
Im September des Jahres 1969 wurde der bisherige Gruppenführer der Löschgruppe Heiligenhaus Brandmeister Josef Franken zum Oberbrandmeister befördert und gleichzeitig zum stellvertretenden Wehrführer ernannt. Der derzeitige Stellvertreter von Brandmeister Franken, Unterbrandmeister Josef Lukas jun. wurde zum Brandmeister befördert und Gruppenführer der Löschgruppe Heiligenhaus.
Kamerad Josef Lukas hatte im gleichen Jahr seine Brandmeisterprüfung an der Landesfeuerwehrschule in Münster mit gutem Erfolg abgelegt und konnte nun mit der Führung einer Löschgruppe betraut werden.
Mit dem Neubau einer Turnhalle am Grünen Weg, erhielt dann die Heiligenhauser Feuerwehr auch eine neues geräumiges Feuerwehrhaus. Das alte "Spritzenhäuschen", das mit der ehemaligen Volksschule im Jahre 1892 auf dem jetzigen Dorfplatz errichtet wurde und achtundsiebzig Jahre der Feuerwehr als Unterkunft für Geräte und Ausrüstungen diente, war zu eng geworden. Am Freitag, den 11. Dezember 1970 wurde das neue Feuerwehrhaus, zusammen mit der Turnhalle, seiner Bestimmung übergeben. Eine geräumige Fahrzeughalle mit zwei Einstellboxen, Schulungsraum, Umkleideraum, Duschen und WC standen nun der Feuerwehr zu Verfügung. Es war selbstverständlich, dass die Feuerwehr von Heiligenhaus bei der Ausstattung des neuen Hauses gerne, im Rahmen des Möglichen, ihre Hilfe leistete.

Auf Anregung des Gruppenführers von Heiligenhaus und nach Absprache mit der Gemeindeverwaltung und dem Wehrführer der Gemeinde Overath, wurde dann am 08. Juni 1972 die Jugendfeuerwehr der Gemeinde Overath gegründet. Nach den Städten Berg.- Gladbach, Bensberg und Porz hatte nun als erste Gemeinde im Rhein.- Berg.- Kreis, die Gemeinde Overath eine Jugendfeuerwehr.
Über diese Nachwuchsorganisation der Feuerwehr wird an anderer Stelle noch berichtet werden.
Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre konnte man feststellen, dass der Aufgabenbereich der Feuerwehr im allgemeinen sich immer mehr zur technischen Hilfeleistung hin verschob. Zahlreiche Verkehrsunfälle auf der damals sehr stark befahrenen B 55, Ölschadeneinsätze verursacht durch ausgelaufene Brennstoffe und Heizöl und häufige Einsätze bei Sturm- und Überflutungsschäden machten zusätzliche spezielle Ausrüstungen erforderlich. Die Heiligenhauser Feuerwehr konnte einen Beachtlichen zusätzlichen Gerätebestand aus eigene Mitteln anschaffen. Ein ausgedienter Tragspritzenhänger der Feuerwehr von Steinenbrück, wurde als Geräteanhänger umgebaut und im Bedarfsfall an das Löschfahrzeug angehängt.
Zur Bestückung dieses Anhängers wurden eine Motorkettensäge, ein Trennschleifer, ein 15 T - Hydraulikheber, zwei Flutlichtstrahler, mit ausziehbarem Stativ und diverse Werkzeuge aus der eigenen Kasse finanziert. Der Reinerlös der jährlich veranstalteten Feuerwehrfeste kam dadurch indirekt der Bürgerschaft, die uns bei diesem Anlass großzügig unterstütze, wieder zu gute. Ein Stromerzeuger, Baujahr 1944, ein Gerät der früheren Wehrmacht, wurde der Feuerwehr kostenlos überlassen. In vielen Arbeitsstunden wurde dieses Gerät von den Feuerwehrleuten ganz überholt und gehörte noch bis November 1980 zum Gerätebestand der Feuerwehr.
Im Jahre 1975 erhielt die Feuerwehr in Heiligenhaus ein weiteres Feuerwehrfahrzeug. Die zwischenzeitlich auf 30 aktive Feuerwehrleute angewachsene Gruppenstärke und auch die Belange der Jugendfeuerwehr veranlassten die Gemeinde Overath, der Löschgruppe in Heiligenhaus einen Mannschaftswagen (MTW) zur Verfügung zu stellen. Es war ein fast neuwertiges Privatfahrzeug und wurde von der Feuerwehr Heiligenhaus für die Verwendung als Feuerwehrfahrzeug entsprechend umgebaut. Die Anschaffung diese Fahrzeugs war notwendig geworden, weil das Tanklöschfahrzeug nur 3 Feuerwehrleute zum Einsatz befördern konnte. Die Mehrzahl der Heiligenhauser Feuerwehrleute mussten in solchen Fällen mit ihrem privaten PKW zum Einsatzort fahren. Die fehlenden Sonderrechte waren oft ein Grund, wenn die Mehrzahl der Mannschaft erst einige Zeit nach dem Löschfahrzeug an der Einsatzstelle war.

CHRONIK-HISTÖRCHEN

Die Hasengeschichte

An einem Frühherbsttag des Jahres 1971 wurde die Löschgruppe Heiligenhaus gegen 18:00 Uhr zu einem Scheunenbrand nach Hufenstuhl gerufen. Die Scheune in mittelbarer Nähe der L 84 gelegen, brannte beim Anrücken der Löschgruppe in voller Ausdehnung. Dennoch wurde versucht, den Vollbrand wenigstens teilweise zu löschen. Das Heiligenhauser Tanklöschfahrzeug stand seitwärts am Weg nach Hufenstuhl. Von einem Hydranten aus wurde das Wasser über die Fahrzeugpumpe zur Brandstelle gefördert, wo es über ein B-Strahlrohr abgegeben wurde.
Einer der Heiligenhauser Feuerwehrmänner, der später von seiner Arbeit gekommen war, kam mit seinem PKW zur Einsatzstelle und meldete sich hier wie üblich bei seinem Gruppenführer. Beiläufig erwähnte er, dass er bei der eiligen Anfahrt einen Hasen überfahren habe. Das Tier sei mausetot und er hätte es zur weiteren Verwendung in den Truppmann-Raum des Löschfahrzeuges gelegt.
Der Truppmann-Raum ist eine hinter dem Führerhaus eingebaute 1-Mann-Kabine, in der bei Einsatzfahrten neben dem Fahrer und dem Truppführer im Führerhaus, gewöhnlich der dritte Mann, der Truppmann, sitzt. In diesem Raum lag nun der tote Hase.
Der Zufall wollte es, dass nach einer Viertelstunde der Jagdaufseher Wilhelm K. des Weges kam. Die Flinte geschultert kam er gemächlichen Schrittes auf das Feuerwehrauto zu. Sein Hund war nicht angeleint und trottete an seiner Seite. Er begrüßte den Feuerwehrmann der die Pumpe bediente und hielt mit ihm ein kleines Schwätzchen, das dadurch unterbrochen wurde, dass der Hund vor der Tür des Truppmann-Raumes stand und hier irgend etwas ausdauernd anbellte. Ein kurzer Anruf des Waidmannes, der Hund kam zurück und setzte sich brav neben seinen Herrn. Als "Hasso" nach zwei Minuten wieder vor der Tür steht, wird es seinem Herrn zu dumm. Mit den Worten: "Do ess jet Besondersch wat der verbellt", schickt Wilhelm K. sich an, die Tür zu öffnen, als dem Maschinisten der rettende Einfall kommt: "Ech weeß wat der hüet" sagte unser Kamerad, "der hüet do drenne de Funk, der ess janz leis enjestahlt". Darauf der Waidmann: "Dat kann joot senn, de Höng die hann en Jehür, de hüeren bahl jet wo janühs ess." Er nahm seinen "Hasso" an die Leine, wünschte noch einen guten Abend und ging seines Weges.
Vier Jahre später erst wurde das Heiligenhauser Fahrzeug mit Funk ausgerüstet.

Im gleichen Jahr wurde auch das Tanklöschfahrzeug der Löschgruppe mit einem Sprechfunkgerät ausgerüstet und kann seit dem auch mit anderen Fahrzeugen in der Gemeinde und im Kreis Verbindung aufnehmen. Im Jahre 1976 beschaffte die Gemeinde 2 Sprechfunkgeräte im 2m-Band für die Befehlsübermittlung über kurze Strecken. Die von der Löschgruppe angeschafften Geräte (11m-Band) konnten nun ausgemustert werden.
Das 90-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Heiligenhaus, wurde Ende Mai 1980 mit Veranstaltungen im Festzelt und im Pfarrsaal, gefeiert. Leider war diese Fest überschattet vom Tode unseres Kameraden, des ehemaligen Gruppenführers OBM Josef Franken, den wir am 20. Mai 1980 zu Grabe tragen mussten.

Im November des gleichen Jahres erhielt die Feuerwehr Heiligenhaus, sozusagen als verspätetet Jubiläumsgabe, ein neues Löschgruppenfahrzeug LF-8 von der Gemeinde Overath zur Verfügung gestellt. Neben den zur Brandbekämpfung erforderlichen Geräten, ist in diesem Fahrzeug noch ein "Rüstsatz" verladen, der die wichtigsten Geräte zur technischen Hilfeleistung beinhaltet. Der Eigenbau-Rüstanhänger von 1973 war jetzt überflüssig geworden.
Aus eigenen Mitteln der Löschgruppe wurde 1982 ein neuwertiger VW-Bus angeschafft und zum Mannschaftswagen umgebaut. Der vorherige MTW, der starke Verschleißerscheinungen hatte und sehr reparaturanfällig geworden war, konnte für den Feuerwehreinsatz nicht mehr benutzt werden.

Im Jahre 1983 musste der damalige Gruppenführer von Heiligenhaus OBM Josef Lukas, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung stellen. Anlässlich einer örtlichen Dienstversammlung am 23. Juni 1983 wurde er vom Gemeindedirektor und dem Gemeindewehrleiter verabschiedet und in die Altersabteilung der Feuerwehr überstellt. Er wurde zum Ehren-Oberbrandmeister ernannt. Als neuer Gruppenführer wurde gleichzeitig der bisherige Stellvertreter von OBM Lukas, Brandmeister Adolf Schmidt, von der Löschgruppe gewählt. Als seinen Stellvertreter wählte man Brandmeister Dieter Wasser. Die neue Führungsmannschaft wurde vom Gemeindedirektor und dem Gemeindewehrleiter sofort anerkannt und bestätigt. Allgemeine Niedergeschlagenheit herrschte bei der Heiligenhauser Feuerwehr als im Jahre 1988 das bundeseigene Tanklöschfahrzeug TLF 8 von der Zentralwerkstatt in Euskirchen eingezogen wurde. Entsprechender Ersatz in Form eines Rüstwagens aus Beständen des Katastrophenschutzes wurde eventuell in Aussicht gestellt, konnte aber nicht verbindlich zugesagt werden und war kein vollwertiger Ersatz für das Tanklöschfahrzeug, dass als wasserführendes Fahrzeug stets schnelle Löscheinsätze ermöglicht hatte. Nach schwierigen Verhandlungen mit den entsprechenden Dienststellen entschloss sich die Löschgruppe, das Tanklöschfahrzeug, dass mittlerweile weiterverkauft worden war, von einer privaten Autohandelsgesellschaft mit eigenen Geldmitteln zurückzukaufen. Die Freude war groß als das Fahrzeug, nach monatelanger Abwesenheit, vollbestückt nach Heiligenhaus zurück kam. Nun aber als Eigentum der Löschgruppe.
Die Überraschung war perfekt, als kurze Zeit danach die Löschgruppe Heiligenhaus einen nagelneuen Rüstwagen RW 1 aus Bundbeständen übernehmen konnte.
Dieses allradbetriebene Fahrzeug, das auch im Gelände eingesetzt werden kann, ist mit allen für die technische Hilfeleistung erforderlichen Geräten, vom Spreizer bis zum Hebekissen, von der Kettensäge bis zum Schneidbrenner, komplett ausgestattet. Die eingebaute Seilwinde macht schwierige Räumungen und Bergungen möglich. Die zahlreichen Einsätze in den Sturmnächten des Februars und März 1990 konnten die Vielseitigkeit dieses Fahrzeuges bestens beweisen. Die Anzahl der Einsätze und Hilfeleistungen sind in einem besonderen Protokollbuch erfasst. Hierauf an dieser Stelle näher einzugehen, würde den Rahmen dieser Chronik sprengen. Pauschal kann gesagt werden, dass die jährliche Zahl der Einsätze und Hilfeleistungen zwischen 20 und 30 liegt.
Es muss dabei beachtet werden, dass nicht jeder Einsatz mit Sirenenalarm angekündigt wird, sondern vielfach die Feuerwehrmänner mit dem "Piepser", einem Melde- und Alarmempfänger, verständigt werden.

Die Ausbildung der Feuerwehr in Heiligenhaus erfolgt im 2-Wochen-Turnus, wechselweise Sonntags oder Donnerstags. Hierzu kommen Sonderausbildungen für Maschinisten, Atemschutzgeräteträger und Sprechfunker auf Kreisebene. Lehrgänge für die Grundausbildung auf Gemeindeebene und Fortbildungslehrgänge für Führungskräfte auf Kreis- und Landesebene. Jeder der Feuerwehrmänner der Löschgruppe Heiligenhaus hat im Durchschnitt 2-3 Lehrgänge absolviert.

Neben den vielfältigen Aufgaben des Feuerwehrdienstes ist die Freiwillige Feuerwehr von Heiligenhaus nicht nur eine Institution nach Weisung, sondern immer wieder bemüht, sich gemeinsam mit den Vereinen und Institutionen unseres Ortes, für die Belang des Dorfes und seiner Bürger einzusetzen. Als sich 1969 die "Interessengemeinschaft der Ortsvereine von Heiligenhaus" gründete, hat sich auch die Feuerwehr spontan dieser Gemeinschaft angeschlossen. Die von dieser Gemeinschaft getragenen Wettbewerbe "Unser Dorf soll schöner werden" und "Unser Dorf im Blumenschmuck" wurden von der Feuerwehr nach besten Kräften unterstützt. Ein rustikaler Wegweiser am Rochusplatz, ein Betonsteinweg am Feuerwehrhaus und "St. Florian" an der Ostwand dieses Hauses, sind neben anderen Aktivitäten die stummen Zeugen dieser Aktionen.
Seit vielen Jahren schon hilft die Feuerwehr der hiesigen Grundschule bei der Durchführung des St. Martin-Zuges, besorgt den Christbaumschmuck in der katholischen Pfarrkirche und stellt die Sicherheitsdienste bei Prozessionen und Umzügen. Bei Ehrungen anlässlich von Ehejubiläen ist auch die Feuerwehr immer mit einer starken Mannschaft vertreten. Dieses sozusagen "außerdienstliche" Engagement der Heiligenhauser Feuerwehr findet beim Träger des Feuerschutzes, der Gemeinde Overath, freundliche Zustimmung und wird dadurch honoriert, dass man die Feuerwehr-Leute für diesen Tätigkeitsbereich eigens versichert.

Die geselligen Veranstaltungen der Feuerwehr Heiligenhaus haben im Festgeschehen des Ortes ihren festen Platz. Seit dem Jahr 1904 ist es guter Brauch jährlich ein Feuerwehrfest zu veranstalten, das von der Bürgerschaft des Ortes dankenswert gut besucht wird. Eine eigene Laienspielgruppe der Feuerwehr sorgt mit lustigen Theateraufführungen für gute Stimmung und eine reichbestückte Tombola gibt hier jedem eine Gewinnchance. An dieser Stelle muss auch gesagt werden, dass eine Theateraufführung schon seit dem Jahre 1896 zum Feuerwehrfest gehört. Für die schauspielenden aktiven Kameraden gewiss eine zusätzliche Leistung, für die mitspielenden Damen aber eine Herzensangelegenheit die ihre langjährige Verbundenheit zur Feuerwehr bestens unter Beweis stellt.
Im Turnus von zwei Jahren, veranstaltet die Heiligenhauser Feuerwehr einen "Tag der offenen Tür" im und am Feuerwehrhaus. Eine Ausstellung der örtlich stationierten Fahrzeuge und Geräte, besondere Attraktionen für die Kinder und nicht zuletzt, ein preiswerter Ausschank in der "Gaststätte zum roten Hahn", sollen das gute Verhältnis des Mitbürgers zur Feuerwehr weiter vertiefen. Ein besonderes Lob verdienen hier die Frauen und Bräute der Feuerwehrkameraden, die bei diesem Anlass für das leibliche Wohl sorgen.
Wer würde es der Feuerwehr nicht gönnen, wenn sie an einem Tag im Jahr ihren Ausflug macht und hier, meistens im Herbst des Jahres, gemeinsam mit den Kameraden der Altersabteilung und ihren Damen, in froher Gemeinschaft zusammen ist, um anderntags wieder bereit zu sein zum "Dienst am Nächsten".

In Worten und Daten ist nun die 112-jährige Geschichte der Feuerwehr von Heiligenhaus am Leser vorbeigezogen. Wir haben Rückschau gehalten auf die Taten und Leistungen unserer Kameraden von "Damals" und haben aufgezeichnet die Bemühungen der heutigen Feuerwehrgeneration. Möge das, was in einem Jahrhundert geschaffen und geleistet wurde, uns weiter die Richtung weisen zu einem pflichtbewussten Feuerwehrdienst in den kommenden Jahrzehnten:

"GOTT ZUR EHR` DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR"

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